Das aktuelle Wetter in Solingen
Alles zum Wetter in Deutschland

Besucherzaehler

Hergestellt im Mai 2016

Startseite

Impressum

Biografie Elsa Brändström

Vorwort

Die Festfolge

Die Geschichte Teil 1

Die Geschichte Teil 2

Die Geschichte Teil 3

Die Geschichte Teil 4

Die Geschichte Teil 5

Die Geschichte Teil 6

Die Geschichte Teil 7

Die Geschichte Teil 8

Nachruf

Erinnerungen, Seite 1

Erinnerungen, Seite 2

Erinnerungen, Seite 3

Erinnerungen, Seite 4

Erinnerungen, Seite 5

Erinnerungen, Seite 6

Erinnerungen, Seite 7

Erinnerungen, Seite 8

Erinnerungen, Seite 9

Erinnerungen, Seite 10

Nachtrag

Nach der Jahrhundertwende war die Zahl der Schüler und Schülerinnen in den Schulen der Solinger Innenstadt derart angestiegen, dass der Bau einer neuen Schule in Auge gefasst werden musste. Nach mancherlei Beratungen und Vorbereitungen wurde der Plan im Jahre 1907 in die Tat umgesetzt. In unmittelbarer Nähe des Stadtkerns, aber doch abseits von damals noch wenig umfangreichen Verkehr, auf einem etwa 2600 qm großen Gelände an der Mittelstraße, die heute den Namen
Elsa-Brandström-Straße führt, entstand ein Schulgebäude, auf das die Solinger Bevölkerung mit Recht stolz sein konnte.

Am Dienstag, dem 15. Oktober 1907 wurde die neue Schule in Gegenwart der Städtischen Schuldeputation, des neugebildeten Schulvorstandes und des Lehrerkollegiums von Herrn Oberbürgermeister Dicke ihrer Bestimmung übergeben. Nachdem der Vertreter des Städtischen Bauamtes, Herr Stadtbaumeister Rauprich, dem Herrn Oberbürgermeister die Schlüssel mit einer kurzen Ansprache überreicht hatte, fand im Klassenzimmer der 1. Klasse ein kurzer Festakt statt. In seiner Ansprache hob Herr Oberbürgermeister Dicke hervor, dass die Fürsorge, die die Stadt Solingen dem Schulwesen angedeihen lasse, mit dem Schulneubau Mittelstraße gleichsam in ein neues Entwicklungsstadium eingetreten sei, denn die Stadt habe hier einen Schulbau geschaffen, der allen Anforderungen der Neuzeit hinsichtlich der Zweckmäßigkeit und Schulhygiene in weitestgehend dem Maße entspreche. Dem feierlichen Akt folgte eine Besichtigung des Schulgebäudes unter Führung des Herrn Oberquartiermeisters. Daß die neue Schule wirklich allen Anforderungen der damaligen Zeit entsprach, geht aus einem ausführlichen  Bericht der „Solinger Zeitung“ über die äußere Einrichtung vom 26. September 1907 hervor.

Es heißt darin:

Die Schule wurde nach den Plänen und unter Leitung des Herrn Stadtbaumeister Rauprich mit einem Kostenaufwand von 140 000 Mark erbaut. Das über 200 Ruten große Schulgrundstück ist derart ausgenutzt, dass die jetzige Schule bei späterem Bedarf zu einer Doppelanstalt mit 14 Klassen
ausgebaut werden kann und außer dem hinter dem Gebäude sich ausdehnenden großen Spielplatz noch Raum zur Errichtung einer Turnhalle verbleibt. Der Bau ist als ein vollständiger Massivbau
aufgeführt, einschließlich der Treppen und Geschossdecken, die aus Eisenbeton hergestellt sind.
Die Korridore sind mit bequemen Mützen- und Kleiderhaken und dauerhaften Schirmständern
ausgestattet; an der den Klasseneingängen gegenüberliegende Wand ist je ein Wasserbecken mit
Trinkgelegenheit eingerichtet. Im Souterrain des Gebäudes ist die Kochschule mit Keller, ferner die aus drei großen Räumen bestehende Wohnung nebst Keller für den Schuldiener, die bei einem
späteren Anbau als Schulbad in Betracht kommt, sowie der Heizraum und die Kesselanlage für die mit Luftvorwärmung verbundene Niederdruck-Dampfheizung untergebracht. Bei der Ausstattung mit Schulbänken ist das sogenannte Mittelholm-System zur Anwendung gelangt, bei der die hintereinander aufgestellten zweisitzigen Bänke untereinander durch durchlaufende Holme fest verbunden sind. Der Anstrich der Klassenzimmer ist so gewählt, dass die Kinder zu Farbsinn und Farbenfreude erzogen werden, ohne dass der Unterricht beeinträchtigt wird. Das Dachgeschoss ist zu zwei weiten licht und luftigen Zeichensälen eingerichtet. Die abendliche Beleuchtung ist eine eigenartige insofern, dass hierbei das Licht durch einen  unter den Gasflammen befindlichen Schirm nach einem größerem an der Decke angebrachten geworfen und von da gleichmäßig nach unten zurückgestrahlt wird.

Den Schulvorstand der neuen Schule bildeten die Herren Kreisschulinspektor Dr. Liese in Vertretung
des erkrankten Schulrats Dr. Geis, Pfarrer Becker. Fabrikant Louis Sabin und Fabrikant Albert
Dörschel. Für die Wahl des Schulleiters waren außerdem hinzugezogen die Herren Fabrikant
Rud. Hartkopf (der Dichter des Bergischen Heimatliedes) und Kaufmann Ernst Kaiser.

Das Lehrerkollegium setzte sich zusammen aus den Herren Hauptlehrer Langensiepen. Lehrer
Kamphausen, Lehrer Keuth und Lehrer Maurer. Der Handarbeitsunterricht wurde von Fräulein
Betram erteilt.

Der Schulbezirk umfasste folgende Straßen: Mittelstraße, Hochstraße  von Hohe Gasse bis Schluss,
Friedrichstraße von Breite Straße bis Schluss, Kirschbaum, Karlstraße, Moselstraße, Feldstraße,
Mainstraße, Lessingstraße, Goethestraße, 1. und 2. Heidberg, Rheinstraße und Uhlandstraße.

Durch die Neubildung wurden die Knabenschule Blumenstraße und die Mädchenschule Bergstraße
entlastet, jene um 119 Knaben , diese um 114 Mädchen.

Eröffnet wurde die Schule mit vorläufig 4 Klassen, doch ergab sich infolge Überfüllung der unteren
Jahrgänge sofort die Notwendigkeit, die Errichtung einer 5. Klasse anzustreben. Bereits in der
1. Schulvorstandssitzung, die am 5. November 1907 stattfand, wurde beschlossen, bei der Städtischen
Schuldeputation einen entsprechen Antrag zu stellen. Da der zur Verfügung stehende Raum bei weitem
nicht ausgenutzt war, wurde im 1. Stock die vierklassige Hilfsschule unter Rektor Horath untergebracht.

Als Wohlfahrsteinrichtung wurde nach dem Vorbild ähnlicher Einrichtungen in anderen Städte
Ende 1907 auch in Solingen eine >Zentralstelle für Jugendfürsorge< ins Leben gerufen.
Für die Sprechstunden der Zentralstelle stellte die Stadtverwaltung das Konferenzzimmer der neuen
Schule zur Verfügung.

Als neuen Lehrgegenstand brachte das Schuljahr 1908 den Schwimmunterreich für die Knaben der
Oberklasse. Im gleichen Jahre erfuhr der Naturkunde-Unterricht der Schule dadurch eine wesentliche
Hilfe, dass der Botanische Garten auf dem Böckerhof auch den Volksschulen zur Benutzung
freigegeben wurde. Den Schulleitern wurde ein vom Stadtgärtner aufgestelltes Verzeichnis der
Pflanzengruppen des Gartens zugestellt. Auf Anforderung wurden für den Unterricht benötigte
Pflanzen von Stadtgärtner besorgt.

Die Überfüllung der einzelnen  Klassen führte schon bald dazu, dass den vorhandenen sechzig
Sitzplätzen jeder Klasse noch etwa zehn Reserveplätze hinzugefügt werden mussten. Um in der
Oberklasse Platz für Zweiundsechzig Kinder zu schaffen, wurden die modernen zweisitzigen Bänke an
die Höhere Mädchenschule abgegeben und durch alte viersitzige ersetzt.

Der Gesundheitszustand der Kinder war in den letzten Jahren vor dem ersten Weltkrieg wenig
erfreulich. So berichtet der damalige Schulleiter, Hauptlehrer Langensiepen, unterm 20. März 1910,
dass von  36 Kindern des 1. Jahrgangs 9 an Tuberkulose litten, davon 5 an geschlossener, 4 an offener
Tbc. Das sind volle 25%!