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Hergestellt im Mai 2016

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Impressum

Biografie Elsa Brändström

Vorwort

Die Festfolge

Die Geschichte Teil 1

Die Geschichte Teil 2

Die Geschichte Teil 3

Die Geschichte Teil 4

Die Geschichte Teil 5

Die Geschichte Teil 6

Die Geschichte Teil 7

Die Geschichte Teil 8

Nachruf

Erinnerungen, Seite 1

Erinnerungen, Seite 2

Erinnerungen, Seite 3

Erinnerungen, Seite 4

Erinnerungen, Seite 5

Erinnerungen, Seite 6

Erinnerungen, Seite 7

Erinnerungen, Seite 8

Erinnerungen, Seite 9

Erinnerungen, Seite 10

Nachtrag

Die sich im Sommer 1939 überstürzenden politischen Ereignisse, die schließlich zum Ausbruch des
zweiten Weltkrieges führten, blieben nicht ohne tiefgreifende Wirkung auf das Leben der Schule.
Noch vor Beendigung der Sommerferien, Ende August, wurde der stellvertretende Leiter, Lehrer
Müller, zum Heeresdienst eingezogen. Fräulein Stöwer sprang in die Bresche und übernahm die
Verwaltungsgeschäfte der Schule.

Das Schulgebäude besitzt nur einen verhältnismäßig kleinen Kellerraum. So ergab sich bei der ständig drohenden Luftgefahr die Notwendigkeit, in zwei Schichten, vormittags und nachmittags, zu unterrichten, damit im Falle eines Fliegerangriffes alle anwesenden Kinder im Keller untergebracht werden konnten.

Als am 1.11.1939 Fräulein Ihmig, die im Juni zur Vertretung für Fräulein Rabe ins Kollegium
eingetreten war, zur Schule Klauberg versetzt wurde, kehrte Fräulein Walther als Hilfskraft an Ihre
alte Wirkungsstätte zurück. Zum 31.5.1949 wurde Frau Rektorin Hegenböhmer, deren Gesundheitszustand eine Rückkehr ins Amt nicht möglich machte, in den Ruhestand versetzt. In ihr verlor die Schule eine außergewöhnlich tüchtige und begabte Erzieherin und Leiterin. Über die Grenzen ihrer Kraft hinaus hatte sie sich dem Wohle ihrer Schule gewidmet. Es war ihr stets innerste Herzensangelegenheit, die ihr anvertrauten Mädchen zu echten Frauen und Müttern zu erziehen.Sie war nicht nur Lehrerin, sondern betrachtete es als ihre wichtigste Aufgabe, Herz und Gemüt der Kinder zu hegen und zu pflegen. Von ihrem segensreichen Wirken weiß die Chronik der Schule mancherlei zu berichten, mit Sorgfalt und Liebe wurden immer wieder kleinere und größere Feiern vorbereitet und durchgeführt. Wir lesen in der Chronik von Mai- und Sommerfesten. Mädchenspielen, Mütternachmittagen, Advents- und Weihnachtsfeiern und würdig gestalteten Entlassungsfeiern. Kein Wunder, dass Lehrerkollegium, Kinder und Eltern die verehrte und geliebte Lehrerin in aufrichtiger Trauer scheiden sahen.

Nur wenige Monate später, am 1. Februar 1941, wurde Fräulein Rabe krankheitshalber in den
Ruhestand versetzt. Am 18. August 1941 begann zum ersten Male das neue Schuljahr nach den
Sommerferien.

In Südfrankreich, wo seine Einheit damals stationiert war, erhielt Lehrer Ernst Müller zum 1.11.1941 die Ernennung zum Rektor der Schule Elsa-Brandström-Straße. Ein Antrag der Schulverwaltung auf Entlassung des neuen Leiters aus dem Heeresdienst wurde abgelehnt. So konnte er nur aus der Ferne das schulische Geschehen  verfolgen; aktiv daran teilzunehmen und der Schule in den mancherlei Kriegsnöten zu helfen blieb ihm versagt. Und diese Nöte waren wahrlich nicht gering; sie wurden aber von dem Kollegium, das fest zusammenstand, in vorbildlicher Weise gemeistert. Dies beweist u. a. ein Beitrag der Schule zur Solinger Kriegschronik, verfasst von Fräulein Weßler.

Wegen Mangel an Lehrkräften hatte die Schule zeitweise drei Durchziehklassen.  Auf die
Schwierigkeiten, die sich aus dem Mangel an Luftschutzraum ergaben, wurde bereits hingewiesen.
Bereits im Winter 1939/40 konnte wegen Kohlenmangel der Unterricht eine Zeitlang nicht
durchgeführt werden. Die Kinder kamen nur zur Schule, um ihre Hausaufgaben vorzulegen und
neue entgegenzunehmen.

Im Februar 1941 musste der Unterricht, meist nachmittags, in der Schule Katternberg erteilt werden. Viel Unruhe wurde durch die >Kinderlandverschickung< in die Schule getragen. In den Lagern brach Diphtherie aus, und als ein Kind des 7. Schuljahres an der tückischen Krankheit starb, holten zahlreiche Eltern ihr Kinder wieder nach Hause. Anfang 1942 war wiederum ein ordnungsmäßiger Unterricht wegen fehlenden Heizmaterials unmöglich. Vom 28. Januar ab nahm die Firma Franz Müller, Druckerei, Bergstraße, die 8. Klasse in ihren Gemeinschaftsraum auf, damit das Unterrichtsziel zur Osterentlassung erreicht werden konnte. Den Dank suchten die Kinder durch Lied-Darbietungen in den Arbeitspausen abzutragen. Ab 10. Februar bis zum Beginn der Osterferien war die Schule im Gebäude der Mädchenschule Zweigstraße untergebracht.

Nach den entsetzlichen Luftangriffen auf Wuppertal, Düsseldorf und andere Großstädte des Westens
nahm die Zahl der Fliegeralarme immer mehr zu. Kein Wunder, dass die Kinder müde und
abgespannt in die Schule kamen und sich nur mühsam auf die Schularbeit konzentrieren konnten.

Am 2. Juli 1943 erschien eine Polizeiverordnung, die Verlegung von Schulen aus luftbedrohten Orten
des Regierungsbezirkes Düsseldorf betreffend. Sie bestimmte, dass der Unterricht in den Volksschulen einzustellen und die in Aufnahmegebiete Mitteldeutschlands zu verlegen seien. Die Durchführung der Verordnung stieß aber auf große Schwierigkeiten. Die Zahl der Anmeldungen in unserer Schule ging von  72 auf 40 zurück, weil die Eltern sich nicht von ihren Kindern trennen wollten und als am 14. September die Verschickung erfolgte, fanden sich am Zuge nur 33 Kinder ein. Sie wurden unter Obhut von Fräulein Walther und Fräulein Birringer bei Bauern im Kreise Erfurt untergebracht.

Inzwischen hatte in der Nacht zum 23. August eine Luftmine in der Stadtmitte großen Schaden
angerichtet. Auch das Schulgebäude wurde davon betroffen. 160 Fensterscheiben wurden zertrümmert. Türen und Fensterrahmen aus den Angeln gerissen.

Ende September 1943  wurde der Unterricht wieder aufgenommen, doch erwies sich eine
Zusammenlegung  mit der Schule Katternberger Straße als notwendig. Die Leitung wurde Herrn
Rektor Goetze übertragen. Von 354 Schülerinnen waren 174 anwesend, 180 landverschickt. Sechs
Klassen  des neugebildeten Systems wurden im Schulgebäude Elsa-Brandström-Straße unterrichtet.

Anfang Januar 1944 erging die Anordnung, die Klassen 4-7 zu schließen. Wegen der unzureichenden
Luftschutzeinrichtungen im Schulgebäude mussten die Restklassen in die Schule Katternberger Straße übersiedeln. Die Leitung übernahm Herr Rektor Marschall, der nach vier Jahren Frontdienst in die Heimat zurückgekehrt war.

Die Aufzeichnung der Schulchronik enden mit dem 31. März 1944.

Den großen Luftangriffen vom 4./5. November 1944, durch die die Altstadt Solingens fast restlos vernichtet wurde, fiel auch das schöne und immer liebevoll gepflegte Schulgebäude zum Opfer. Eine Bombe durchschlug am 5.11. das Dach, das 3. und 2. Stockwerk, explodierte im 1. Stock und verwandelte einen Großteil des Schulhauses in einen Trümmerhaufen. Damit schien das Schicksal der Schule für unabsehbare Zeit besiegelt zu sein.